Drei Anläufe hat es gebraucht: Nachdem das Kölner Konzert jeweils im Oktober und Dezember 2015 abgesagt wurde, weil Andrew Eldritch eine akute Kehlkopfentzündung hatte, ging es nun endlich los. Über The Sisters Of Mercy habe ich bereits 2014 eine kleine Liebeserklärung geschrieben. Nur wie würde das Publikum nach zwei Absagen reagieren?

"I hear empire down…"

Posted by Jan Piatkowski on Tuesday, March 8, 2016

Einigen wurde die Entscheidung abgenommen, fiel der Besuch der Sisters doch mit einer Grippewelle in Nordrhein-Westfalen zusammen. Die, die ins Palladium kamen, konnten sich von noch mehr Nebel als sonst überzeugen. Und würde die Stimme von Andrew halten? Es zeigte sich, dass er gerade bei den hohen Tönen sehr zaghaft agierte. Das Set selber fing mit schnellen und kraftvollen Nummern an. Gerade „Body Electric“ ist ein toller Song, um die Leute in Wallung zu bringen. Weitere Highlights waren für mich „Lucretia“, „Summer“ und „Flood II“.

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Der ein oder andere im Publikum, der sich eher oberflächlich mit den Sisters beschäftigt hat, hatte durchaus Probleme, die vielen neu interpretierten Klassiker auf Anhieb zu erkennen. Gerade „Lucretia“, „Temple Of Love“ oder „First And Last And Always“ wurden kräftig überarbeitet und zeitgemäßer auf den Klang der Sisters der letzten Jahre getrimmt. Schade war allerdings nur, dass vom vielen „neuen“ Material so wenig gespielt wurde. „Summer“, „Arms“ und „Crash And Burn“ schafften es in die Setlist – das 2009 geschriebene „Far Parade“, dessen Text auf der Website der Band zu lesen ist, wartet leider immer noch auf seine Premiere.

In den Foren – wie bei www.poison-door.net – gehen die Meinungen zum Konzert auch auseinander. Wenn man davon absieht, dass der Sound im Palladium zum Teil etwas dürftig war, konnte man auf der Bühne eine gut gelaunte und spielfreudige Band erleben. Gerade bei den Zugaben haben Chris Catalyst und Ben Christo richtig auf’s Gaspedal getreten. Andrew Eldritch legte gegen Ende des Konzerts seinen Kopf auf Christos Schulter – war er froh, dass seine etwas angeschlagene Stimme es heil durch die 90 Minuten geschafft hat? Wie ein Fußballer, der nach einer Verletzungspause wieder in die Startelf rückt?

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Wer weiß. Mir war fast egal, wie das Konzert sein würde – Hauptsache, die Band zeigt sich nach den Absagen den Fans und dokumentiert, dass weiter mit ihr zu rechnen ist, so meine Denke. Damit lieferten die Sisters ein für mich solides Konzert ohne Überraschungen ab, mit einem gut durchmischten Set. Für mich speziell ist es eine schöne Gelegenheit, viele Leute aus den Foren und Mailinglisten wiederzutreffen, um über die Band, altes Material und den Einfluß der neuen Gitarren auf den Bühnensound zu sprechen. Ich jedenfalls mag die Sisters bald wiedersehen – und wer weiß, vielleicht wird dann doch der Auftritt in Tilburg 2011 von Platz eins meiner All-Time-Gig-Liste verdrängt…

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10. März 2016

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