Zugegeben: Ich brauchte einen kleinen Anstoß von @genussgier, aber beim Thema „Lieblingsgericht“ musste ich zwangsläufig an die polnische Küche denken, mit der ich halb groß geworden bin.

Dabei bin ich selber in Neuss geboren und aufgewachsen, meine Eltern dagegen stammen beide aus der polnischen Stadt ?ód?, und obwohl ich als Kind kein Polnisch gelernt habe – das Essen war nicht nur bei Familienfeiern sehr heimatnah geprägt. Vieles hat sich dabei auf die heiß begehrten „Bigos“ gestürzt, ein polnischer Krauttopf, ein wenig mit Sauerkraut vergleichbar. Da ich aber weder Bigos noch Sauerkraut mochte (und es immer noch nicht mag), gab es andere Gerichte aus der polnischen Cuisine, auf die ich mich immer gefreut habe.

Da waren zum einen Kopytka (sprich: „Kopitka“) – an sich recht einfache Schupfnudeln, die immer mit einer Soße, Fleisch und Gemüse serviert wurden. Aber es war da auch eher das Ritual: Mein Vater hat meist die Masse in der Küche vorbereitet und ausgerollt. Danach wurden die Kopytka in ihrer typischen Rautenform zugeschnitten, damit mein Bruder und ich diese Stück für Stück per Hand in das kochende Salzwasser geben konnte. Faustregel: Immer mehr machen! Geht schon weg! Denn in Verbund mit der immer sehr leckeren, selbst angerichteten Soße war schnell vergessen, dass da auch anderes auf dem Teller war 🙂 Ähnliches war auch bei Kluski ?l?skie, schlesischen Kartoffelklößen, der Fall.

Ein Highlight, da absolut selten, weil aufwändig, waren die im slawischen Raum weit verbreiteten Piroggen (poln. „pieróg“). Meine Mutter schimpfte derweilen über den riesigen Aufwand, der bei der Zubereitung anfiel, denn im Laden bzw. im Feinkostgeschäft kaufen war absolut nicht drin – Piroggen wurden wie auch andere Gerichte der polnischen Küche immer selber zubereitet! Diese Teigtaschen hat Mutter immer mit Fleisch gefüllt, das sie vorher durch den Wolf gedreht hat. Prinzipiell kann man auch andere Füllungen verwenden – in Polen wird auch sehr gerne eine Pilzfüllung verwendet, worauf wir damals aber verzichtet haben, da ich der einzige im Haushalt war, der Pilze (bis heute!) total verschmähte. Dazu gab es eine Art Butterüberzug mit Zwiebelstückchen, und – fertig. Ein wahrer Genuss!

Wie so häufig gibt es bei der Zubereitung auch den ein oder anderen „Kniff“, den ich mir mal aufschreiben muss. Ich koche selber ausgesprochen selten, wohl auch, weil meine Frau hier eine absolute Königin ist 🙂 Aber ich werde mich bald daran versuchen, selber Kopytka zu machen.

Natürlich gibt es viele andere Gerichte, die die polnische Küche so besonders gemacht haben, ich denke da beispielsweise an die „weiße Suppe“ oder die „?ur“. Auch darf man die polnische Tradition der Wurst („Kie?basa“) nicht vergessen. Ich denke hier an unzählige Abende am Lagerfeuer zurück, mit einer Wurst am Stock in der einen Hand, über dem Feuer schmorend und pfeifend, und einem schönen polnischem Bier („Piwo“) in der anderen Hand. Das Leben kann mal so einfach und so schön sein. Und wer mal das Vergnügen hat, nach Polen zu reisen – nehmt dort die typische Küche mit 🙂

Zu Polen werde ich bei anderer Gelegenheit mehr schreiben. Und sicher habe ich noch eine Menge polnischer Spezialitäten vergessen, die ebenfalls erwähnt werden müssen. Schreibt’s in die Kommentare, ich freue mich 🙂

14. März 2014

Kommentare

Ich habe zwar selber keine polnischen Wurzeln, sehr wohl aber mein Mann, so dass ich viele dieser Gerichte bei meinen Schwiegereltern schon kennen- und liebengelernt habe. Was mir darüber hinaus noch einfällt, ist Makówki, das es jedes Jahr an Weihnachten zum Nachtisch gibt. Das ist eine regionale Spezialität aus Schlesien, die Walnüsse, Mandeln, Rosinen und vor allem viel Mohn enthält.

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