vortrag-npk2013

Im September 2013 war wieder der Niederrheinische Pflegekongress auf dem Programm. Und für mich auch eine Neuerung: Neben der Videoproduktion durfte ich auch einen Vortrag über „Digitale und vernetzte Gesundheit und Pflege“ halten. Obwohl ich beim „NPK“ mittlerweile Stammgast bin, dort einige Experten kennengelernt habe und über meine Erfahrungen mit digitalen Diensten viele Ideen für den Vortrag hatte – ein Selbstläufer war das nicht.

So konnte ich verschiedene Aspekte in meine Folien einfließen lassen. Nachdem ich aufgezeigt habe, dass mit der wachsenden Verwendung digitaler Dienste – quasi aus unserer Hosentasche heraus – und der steigenden Relevanz des Netzes für gesundheitliche Themen ein großer Markt entsteht, ging’s ans Eingemachte. Warum ist „Quantified Self“ ein alter Hut, welche Rolle spielt Google im Bereich der Gesundheit, und warum spielt die Technologie nicht nur für Pflegebedürftige, sondern auch für froschgebackene Eltern eine immer wichtigere Rolle? Wie können sich Gesundheitsthemen im anbrechendem „Age of Context“ platzieren, egal, ob ein Patient an seine Medikamente erinnert wird oder Gesundheits-Apps die Medikation auf den eigenen Tagesrhythmus im Einklang mit dem individuellen Kalender zuschneiden?

Versucht habe ich auch, den Pflegediensten Wege aufzuzeigen, wie sie im Netz präsenter sein können. Es liegt auf der Hand, dass, wenn Menschen sich im Netz zunehmend über Gesundheitsthemen informieren, die Pflegedienste hiervon auch profitieren können. Weniger, um auf ihrer eigene Website Allgemeinplätze über ihr Werk zu verlieren, sondern eher, um als erste Anlaufstelle im Netz parat zu stehen, wenn ein Mensch wirklich professionelle Dienste in Anspruch nehmen will. Die eigentliche Dienstleistung ist Offline, eine reine Mensch-zu-Mensch-Beziehung, bei der digitale Helfer mächtige Verbündete sein können. Das geht soweit, dass es Dienste gibt, mit denen Pflegedienste ihre Mitarbeiter mobil gezielter einsetzen können – das Smartphone spielt da eine wichtige Rolle. Ebenso die Reduktion des Papierkrams, so dass Patientendaten in der eigenen Datenbank gesichert und durchsuchbar gespeichert sind. Von der eigenen Website und der Kommunikation ganz zu schweigen.

Das letzte Bild meines Vortrags zeigte nicht umsonst den Mondgänger Buzz Aldrin auf dem MIT Technology Review, wo er provokant fragte: „Ihr habt mir Mondkolonien versprochen und gabt mir stattdessen Facebook.“ Da ist was dran. Der Eindruck wird bei mir erweckt, dass wir unser digitales Leben damit vergeuden, Belanglosigkeiten ins Netz zu pusten. Natürlich bieten Facebook und Google einen immensen Markt über ihr Anzeigengeschäft, entsprechend sind auch deren Umsätze — warum aber entdecken so wenige Macher wie etwa Owlet den Gesundheitsmarkt, zwar auch, um Geld zu verdienen, aber natürlich auch, um den Menschen zu helfen? Welchen Impact wird das von Larry Page angekündigte „Calico“ haben, eine Organisation, bei der Google groß im Geschäft ist?

Ich glaube, dass wir hier noch spannende Zeiten erleben werden. Wer mag, kann im Fachblog der Uni Witten/Herdecke noch mehr Hintergründe zum Vortrag über „digitale und vernetzte Gesundheit und Pflege“ nachlesen.

(Das Foto zu Beginn des Artikels stammt von Christian Stobbe.)

2. November 2013

Kommentare

Hallo Herr Piatkowski,

Ihren Beitrag zum Thema Gesundheit vor dem Hintergrund möglicher digitaler Anknüpfungspunkte fand ich sehr anregend. Auch Ihren Vortrag zu diesem Thema auf dem diesjährigen Niederrheinischen Pflegekongress.

Überhaupt gewinne ich aktuell immer mehr den Eindruck, dass dieses Thema in all seinen Implikationen in nächster Zeit noch mächtig an Fahrtwind gewinnen wird: In der Forschung geht es ja beispielsweise im Gesundheitsbereich zukünftig immer mehr um die Frage, wie ein globales Netzwerk von Informationen geschaffen werden kann, das auch für andere nachvollziehbar ist, um verlässlichere Grundlagen für die Früherkennung von Krankheiten wie Alzheimer zu schaffen.

Aber sicherlich geht es auch um die Frage, wie globale Datenbanken via Algorithmen noch effizienter durchforstet werden können, um den letzten Stand der Forschung zu einer bestimmten Forschungsfrage im Gesundheitsbereich zu einer globalen Datensammlung zu verdichten, Stichwort Metastudien. Hier ein wunderbares Beispiel dazu: http://www.thechinastudy.com/the-china-study/about/. Hier wird sich wahrscheinlich auch Google demnächst noch wesentlich mehr engagieren. Sie sprachen ja bereits von dem Projekt Calico. Das wird spannend!

Von all diesen Entwicklungen, die sich da am Horizont abzeichnen, können sicherlich auch Laien etwa in der Pflege zukünftig noch wesentlich mehr profitieren, wenn diese Informationen vernünftig übersetzt und anschaulich dargestellt werden. Gerade auch mit den Möglichkeiten des Social Web in der Darstellung und Kommunikation.

Beste Grüße, Marcus Klug

Hallo Herr Klug,

Danke noch mal für die schöne Resonanz. „The China Study“ klingt interessant, wirft vor allem interessante Fragen auf. Dabei dürfen wir nicht vergessen, bei allem Fortschritt auch die Laien nicht zurückzulassen. Und: Wie schon im Vortrag erwähnt, halte ich Vertrauen in die Technologie für elementar. Datenskandale wie die aktuelle NSA-Debatte oder bei den Krankenkassen (Sept. 2013) sind da sehr kontraproduktiv – aber auch notwendig, da Technologie und Fortschritt auch auf Moral und Ethik bauen müssen.

Viele Grüße!

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