Eine Reise in die Fußballvergangenheit

Es ist 1954…

Eigentlich ist es logisch, dass die Ausstellung nicht im Jahre 1900 beginnt, dem Jahr, in dem der Deutsche Fußball-Bund in Leipzig gegründet wurde. Auch nicht 1888, als der BFC Germania 1888 aus der Taufe gehoben wurde, der älteste noch heute existierende Verein. Oder 1963, als die Bundesliga in ihre erste Spielzeit startete, der 1. FC Köln wurde damals Meister. Nein, es ist logisch, dass die Ausstellung im Jahre 1954 beginnt.

Neun Jahre nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg erholte sich die junge Bundesrepublik wirtschaftlich. Einige Historiker sagen, dass der Finaltriumpf gegen die übermächtigen Ungarn im Wankdorfstadion zu Bern nun auch der erste emotionale Höhepunkt der Nachkriegszeit war. Der deutsche Fußball war plötzlich auf der Weltkarte aufgetaucht.

Die Ausstellung im Fußballmuseum startet also mit der "wahren Geburtsstunde" des deutschen Fußballs. Was auf der ersten Etage folgt, ist eine Reise durch die Länderspielgeschichte des DFB. Die extrem erfolgreichen Frauen fehlen auch dort ebenso wenig wie Exponate und Anekdoten zur Nationalmannschaft der DDR. Überall warten interaktive Panels darauf, ausprobiert zu werden. Einzelne Legenden wie Franz Beckenbauer haben eine eigene Vitrine. Natürlich gibt es auch Infos über mein erstes Länderspielerlebnis, die 2:3-Finalniederlage in der Hitze von Mexiko-Stadt 1986 gegen Argentinien ("Burrrruchaga"), damals am heimischen TV. Und so spitzt sich alles auf den letzten Höhepunkt der Nationalelf zu: Der Titelgewinn in Brasilien. Und die historische Klatsche gegen die Gastgeber.

Und so geht die Reise nach einer kleinen, meines Erachtens schwachen 3D-Installation (Virtual oder Mixed Reality hätte ich spannender gefunden) weiter. Natürlich nehmen die Vereinsmannschaften einen großen Teil davon ein. Der Beginn der Bundesliga. Spannende Pokalschlachten. Dramatische Abstiegskämpfe. Alles dabei. Dabei gelingt es der Ausstellung, immer wieder in die Tiefe zu gehen, etwa im "Trainerbereich" (oder auch "Coaching-Zone"), wo Notizen, Zitate und Trainingspläne aller Trainerlegenden auf den Besucher warten. Ebenso "meine" Schiedsrichter haben ihre Zone, in der der Besucher erfährt, was für eine Arbeit dieses Amt eigentlich ist.

Der beste Trainer ist der, der die Punkte holt.

Martin Andermatt

Und so schließt sich am Ende der Kreis: Man gelangt in das Arbeitszimmer von Sepp Herberger, der Architekt hinter dem Titelgewinn 1954. Zurück bleibt das Gefühl, dass man eigentlich noch viel länger hätte bleiben können. An jeder Ecke atmet der Fußball seine Seele, jedes noch so winzige Detail will entdeckt werden. Besucher sollten mindestens drei Stunden einplanen. Zur Halbzeit der Ausstellung wartet ein Restaurant mit ganz leckeren Burgern, so dass man nicht hungrig in Durchgang zwei starten muss.

Ich persönlich fand es sehr spannend, zu sehen, was in Dortmund entstanden ist. Als ich 2010/2011 als Journalist beim Lokalfernsehen bei Veranstaltungen des damals sich noch in der Planung befindlichen Museums aufschlug, wuchs bei mir die Vorfreude. Beim Ausgang sollte unbedingt der Bildband zur Ausstellung käuflich erworben werden. Infos und Karten (auch Vorbestellungen) sind unter www.fussballmuseum.de verfügbar.

Es war etwas besonderes, das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund zu besuchen. Mehr dazu in Kürze 🙂

Gepostet von Jans Wolke. am Samstag, 30. September 2017

17. Februar 2018

Schreibe einen Kommentar