Viele Menschen, die praktische Erfahrung mit Facebook in so unterschiedlichen Bereichen gemacht haben – das war etwas, was dieses fbcamp, Auflage zwei, so besonders gemacht hat. Egal ob Community Manager, Programmierer, Projektmanager, ob aus Unternehmen, Agenturen oder Selbständige: Jeder konnte in den Sessions dazu beitragen, dass eine rege Diskussion entstand. Und davon wurde gut gebrauch gemacht.

Gut, vielleicht war es in Teilen etwas statistiklastig. Dafür konnten aber SocialBench und FanpageKarma interessante Einblicke liefern. Sven Wiesner beispielsweise erzählte davon, wie die Fanpage „Torten dekorieren“ innerhalb von 3 Wochen auf 60.000 Fans gesprungen ist – mit wenig Mediaeinsatz, dafür mit organischem Wachstum. Dies zeigte er Anhand von SocialBench und hebte die Bedeutung, im Rahmen von Setup und strategischer Bestimmung relevante KPIs für die Erfolgsmessung festzulegen, hervor.

FanpageKarma dagegen konnte mit der von ihnen entwickelten Software die Top-Posts der letzten Wochen zeigen. Auffällig war die hohe Anzahl der Bildposts und die in Teilen sehr unterschiedliche Ansprache der Nutzer. Schön wurde die unterschiedliche Ansprache der US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und Mitt Romney dargestellt, mit dem Ergebnis, dass emotionale Bildpostings (Obama) klar gegenüber Like-Aktivierung (Romney) punkten konnte. Leider zeigte sich auch, dass es eine sehr dunkle Seite der Facebook Pages gibt: Die Seiten, die Schockbilder posten und das in schon zynischem Zusammenhang mit religiöser bzw. moralischer Ansprache brachten, so dass einem zwangsläufig schlecht werden muss bei dem Gedanken, dass es Menschen gibt, die sowas aktiv weiterverteilen.

Thomas hat in seiner gewohnt lockeren Art ein Update zu Facebook und Recht angeboten und dabei auch neuere „Entwicklungen“ betrachtet. Beispielsweise, dass „Gewinnspiele“, in denen der letzte Kommentar auf einem Bild einen 500-Euro-Schein gewinnt, auf so unterschiedliche Weise gegen Bestimmungen verstößt. Die handwerkliche Seite fand ich in den Sessions von Sascha („10 Regeln für Shitstorms – eine Satire“) und Stefan („Facebook vs. Blogs“) sehr schön dargestellt. Sascha griff eine Handreichung aus einem „Ausbildungskurs“ für angehende Social Media Manager auf, die 10 Schritte für den Umgang mit Shitstorms aufzeigten. Schnell einigte man sich in der Runde darauf, dass „Krisenkommunikation“ der weitaus bessere Begriff ist, und dieses kaum in Regeln gegossen werden kann, da jede Krise individuell gemeistert werden muss und Individualität Trumpf ist. Die im „Regelheft“ empfohlene standardisierte Antwort-Abfertigung für Nutzer im Krisenfall wurde daher zurecht als schlechte Alternative entlarvt.

Stefan dagegen hielt ein Plädoyer für Blogs und hielt Facebook dagegen. Natürlich hat das Netzwerk eine enorme Reichweite und kann mit den verschiedenen Techniken dafür sorgen, dass Blogs eine Verbreitung erfahren, was Diskussionen fördern kann. Dennoch ist Facebook eine Plattform, die der Nutzer technisch nicht kontrollieren kann – das selbst gehostete Blog bietet hier enorme Möglichkeiten, auch mit Blick auf Datensicherheit. Ein Aspekt, den gerade die (nun ehemaligen) Posterous-Nutzer nun auch auf dem Radar haben.

Ich selber habe gleich zwei Mal Sessions zu Facebooks Graph Search angeboten und dabei in einer Livedemo Möglichkeiten und Schwächen aufgezeigt. Ein klarer Pluspunkt ist, dass nicht nur Menschen, sondern auch deren Beziehungen und Interaktionen untereinander und mit Fanpages such- und messbar sind. Dass die Formulierung von Suchanfragen etwas hölzern wirkt, macht viele Suchvorgänge zu einer regelrechten Safari. Linguistisch betrachtet ist Google hier deutlich weiter, da Graph Search jedoch noch weiterentwickelt wird, bleibt abzuwarten, was sich da noch tun wird.

Perspektivisch kann Graph Search ein mächtiges Tool werden, um Marktanalysen zu betreiben und die Zielgruppe besser kennen und verstehen zu lernen. Für den Privatanwender selber kann stöbern eine Motivation sein, Graph Search auszuprobieren – egal, ob man alte Bilder von Freunden oder Account Manager aus dem Raum Hamburg sucht. Postings lassen sich noch nicht durchsuchen – aber auch das wird eine Frage der Zeit sein. Ich rechne aber damit, dass mit breiter Verfügbarkeit des Tools eine erneute Debatte über das, was privat und öffentlich ist / sein soll, losbrechen wird. Auch die Auffindbarkeit von Nutzern wird da Thema sein: Damals konnten Menschen ihre Einträge aus dem Telefonbuch nehmen lassen – mal sehen, wie Facebook das abbilden wird. Bis dahin darf man sich an zwei Grundregeln für die Facebook-Nutzung halten: a.) pflege Dein Profil, Deine Informationen und Deine Likes; und b.) poste nichts, was privat bleiben soll.

Was bleibt unter’m Strich? Themen und Sessions wurden durch fundierte Meinungen und Diskussionen absolut aufgewertet. Ein großer Pluspunkt war in meinen Augen, dass Leute in sehr unterschiedlichen Positionen hier zum Austausch zusammen kamen. Es ging dabei weit über den Charakter einer „Selbsthilfegruppe“ hinaus: Gefühlt jeder Teilnehmer hat mit Facebook manchmal seine liebe Mühe gehabt. Dennoch kam, was ich so mitbekommen habe, kein pauschales Bashing auf. Dass Probleme im Umgang mit Facebook und Community sehr differenziert betrachtet wurden, ist jedem Teilnehmer hoch anzurechnen.

Wie es bei BarCamps üblich ist, wird es immer Sessions geben, die man nicht sehen kann, gerade dann, wenn in einem Timeslot mehrere interessante Themen angeboten werden. Das war leider und zum Glück beim fbcamp der Fall und zeigt, wie hoch das fachliche Niveau und der angebotene Erfahrungsschatz waren. Einmal mehr war es unglaublich schön, abseits von Sessions mit Leuten zu plaudern, Kontakte zu knüpfen und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren. Mit so vielen Leuten habe ich mich angeregt über alles mögliche unterhalten können, wofür ich sehr dankbar bin. Das Orgateam hat ein wunderbares fbcamp auf die Beine gestellt, Silke und Crasch haben das phantastisch hinbekommen. 3. Auflage: Ich wäre gerne wieder dabei 🙂

2. März 2013

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