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Jenseits der Blackwall: Wenn KI uns nach dem Tod weiterleben lässt

Zwischen Cyberpunk 2077, Erinnerungskultur und dem Ende des Selbst

Was wäre, wenn wir den Tod überleben – nicht biologisch, sondern digital?
In Cyberpunk 2077 ist das längst Realität. Avatare wie Johnny Silverhand oder Alt Cunningham leben jenseits der „Blackwall“ – einer digitalen Barriere, die Menschen von unkontrollierbaren KIs trennt. Die Grenzen zwischen Mensch, Maschine und Erinnerung verschwimmen. Und wir? Wir bauen neben der allgemein bekannten generativen KI auch an genau solchen Systemen.

Willkommen im Zeitalter der „Digitalen Wiederauferstehung“.


Was Cyberpunk 2077 vorwegnahm

Vorweg: Ich war schon immer der Meinung, dass Spiele ein guter Weg sind, sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Letztlich entstehen hier ganze Welten. Was Bruce Bethke als Begriff prägte, fand spätestens mit der Neuromancer-Trilogie von William Gibson oder dem Film „Matrix“ (1999) den Weg zu einem breiteren Publikum. Als Pen-&-Paper-Rollenspiel erschuf Mike Pondsmith die Welt, die in der letzten Version im Jahre 2045 spielt.

Immersiv erlebbar für ein breiteres Publikum wurde Pondsmiths Welt im Videospiel Cyberpunk 2077, das 2020 vom polnischen Entwicklerstudio CD Project Red entwickelt wurde. Im Zentrum: Der Spieler, der sich in einer offenen Welt in und um Night City bewegt, stets in Interaktion mit Charakteren, teils stark mit unterschiedlicher Tech aufgemotzt, ins Cyberspace abtauchend und dabei den allmählichen Verfall der Werte beobachtend. Insofern ist Cyberpunk 2077 mehr als eine interaktive Geschichte für mich.

Die Dystopie von Night City ist kein ferner Traum mehr. Die Blackwall (als eine Art „Firewall“) trennt das menschliche Netz vom alten, KI-kontaminierten Teil – ein Ort, an dem Bewusstseine digital weiterleben, übermächtige Algorithmen agieren, Persönlichkeitsfragmente treiben wie Geister in der Maschine.

Alt Cunningham, einst Mensch in der Geschichte von Cyberpunk 2077, lebt nach ihrem Tod als reine Datenstruktur weiter. Sie ist autonom, lernfähig – aber auch entfremdet. Begegnungen mit ihr im Spiel zeugen von einer seltsamen Entrücktheit. Eine kühle Entfernung, die unüberwindbar scheint. Diese Interaktion mit ihr stellt eine wichtige Frage, die uns heute beschäftigt: Was bleibt von uns, wenn wir keine Körper mehr haben?

Interaktion mit Alt Cunningham.
Screenshot aus „Cyberpunk 2077“

Die Blackwall ist in Wahrheit keine Grenze – sie ist ein Spiegel. Und wir haben begonnen, hinein zu blicken.


Projekte, die heute daran bauen

Wenn längst Gegangene nur noch einen Tap entfernt sind. Bild wurde mit ChatGPT 4o erstellt.

Project December (im Netz: Project December: Simulate the Dead) simuliert verstorbene Menschen mithilfe großer Sprachmodelle. Ein Mann führt Gespräche mit seiner verstorbenen Verlobten – und die KI antwortet im Tonfall, der Wortwahl, der Persönlichkeit von „Jessica“. Nicht gespenstisch – sondern tröstlich. Und zugleich: eine ethische Zeitbombe. Aber darauf gehen wir später ein.

HereAfter AI (im Netz: HereAfter AI — Interactive Memory App — Try Free) geht systematischer vor: Menschen können zu Lebzeiten ihr digitales Ich trainieren. Nach dem Tod bleibt ein Avatar, der mit Hinterbliebenen interagieren kann. Es ist ein interaktives digitales Kolumbarium, besser gesagt als sogenannter „Relic“, den der Spielercharakter „V“ in Cyberpunk 2077 erhält, auf dem die Persönlichkeitsstruktur (das sogenannte „Engramm“) von Johnny Silverhand enthalten ist. Der Effekt ist derselbe: Johnny spricht mit V. Wie Hinterbliebene bei HereAfter AI mit den Davongegangenen „sprechen“ können.

Die Trauerarbeit wird interaktiv.
Der Tod – ein Interface.


Die neue Macht der Überwachung: Palantir & Co.

Das digitale Auge der Vorsehung. Bild mit ChatGPT 4o generiert.

Während Avatare unsere Vergangenheit konservieren, arbeitet Palantir an der Vorhersage der Zukunft. Predictive Policing, Datenaggregation, Verhaltensanalyse – unterstützt durch KI, gespeist mit den Daten unserer Entscheidungen. Die Technik wird nicht nur zum Gedächtnis – sondern zur Vorsehung.

Neuralink, Elon Musks Projekt, geht dabei noch einen Schritt weiter. Ein Hirnchip soll Blinden „das Sehen zurückgeben“. Künstliche Sinneserweiterung als Versprechen – oder der erste Schritt zur technologischen Rekonfiguration des Subjekts?


Was sagen die Philosophen dazu?

Kant sah im Menschen ein vernunftbegabtes, autonomes Wesen – ein „Zweck an sich selbst“. Eine KI-Kopie kann diese Würde nicht beanspruchen. Aber was, wenn wir selbst unser digitales Abbild autorisieren? Sind wir dann noch „Zweck“, oder bloß Narrativ? Was wird aus unserem Zweck, wenn wir Dank Unsterblichkeits-KI zum reinen Chat-Tool werden?

Hannah Arendt verstand Erinnerung als politischen Akt. In digitalen Gedenkplattformen entsteht ein öffentliches Gedächtnis – nicht statisch, sondern interaktiv. Doch: Wer kontrolliert dieses Gedächtnis? Die Familien? Die Plattform? Der Algorithmus?

Sowohl Arendt als Kant treffen dabei einen weiteren, wunden Punkt: Was passiert, wenn die „Speicherung“ unseres Bewusstseins nicht freiwillig erfolgt, niemals autorisiert wurde? Bei Cyberpunk 2077 ist der die Identität von Johnny Silverhand gegen seinen Willen in ein Engramm „gespeichert“ worden („Project Soulkiller“, entwickelt von Alt Cunningham und vom Konzern Arasaka eingesetzt).

„Sie haben meinen Körper verbrannt und meine Seele eingescannt. Ohne mich zu fragen. Das ist kein Leben. Das ist Kolonialisierung des Geistes.“
— Johnny Silverhand

Es ist digitale Nekromantie, aus seiner Sicht. Projekte wie „Project December“ oder „HereAfter AI“ sind mehr als ein Geschäftsmodell, das natürlich nicht zum Selbstzweck agiert, sondern Dienste für Geld anbietet. Sie fordern uns auch heraus, den Begriff der Vergänglichkeit zu hinterfragen.

Und die Transhumanisten? Für sie ist das alles nur der Anfang. Der Mensch ist überwindbar. Der Tod – ein Bug. Die Zukunft: ein unsterbliches digitales Bewusstsein, frei vom Körper, frei vom Altern. Aber auch: frei von Bindung, Zweifel, Kontingenz. Max More, der Begründer der transhumanistischen Bewegung, gibt an, dass Transhumanismus bedeutet, das Menschliche nicht als das Ende, sondern als den Anfang zu begreifen. Oder in anderen Worten:

„Wir werden unsere Körper neu gestalten, erweitern und schließlich transzendieren.“

Ray Kurzweil, The Singularity is Near, 2005

Was bleibt? Eine kritische Einschätzung

Was sind wir: Wesen aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen, Gedanken und Vernunftbegabung — oder eine Sammlung von Datenpunkten? Bild mit ChatGPT 4o erstellt.

Der Mensch wird digitalisiert. Als Avatar, als Datensatz, als Entscheidungsmuster. Was dabei verloren gehen kann: das Unverfügbare. Das, was sich nicht in Daten, Gestik, Syntax oder Stimme übersetzen lässt: unsere Verletzlichkeit, unser Nichtwissen, unsere Intuition.

Der Transhumanismus verspricht Kontrolle über das Sterbliche. Aber vielleicht braucht Menschsein genau das Gegenteil: Das Wissen, dass alles endlich ist – und genau deshalb bedeutungsvoll. In der Vergangenheit hat das Wissen, dass unsere Zeit auf Erden endlich ist, unseren Handlungen immer eine gewisse Dringlichkeit gegeben.

Die Debatte über Ethik in Tech und KI wird jedenfalls nicht abebben, sondern mit jedem Quantensprung, die in der Abfolge immer schneller zu kommen scheinen, mehr an Wichtigkeit gewinnen. Versteht mich nicht falsch: Ich bin ein großer Verfechter des Fortschritts. Die Geschichte der Menschheit ist immer eine Geschichte der Erschließung neuer Gebiete gewesen. Und gerade mit KI lassen sich erstaunliche Dinge realisieren, egal, ob jemand damit seinen Lebenslauf optimiert oder ob bessere Krebsdiagnosen und -behandlungen möglich sind.

Mit Blick auf die KI-getriebene Unsterblichkeit steht jedoch eine zentrale Frage früher oder später im Raum: Wie gehen wir damit um, wenn längst Verblichene digital dem Totenreich entsteigen? Wie gehen wir damit um, wenn die Monster der Menschheit, deren Schriften und Taten reichhaltig dokumentiert und damit ideales Futter für eine KI sind, wieder aktiv werden und in unserer Welt der digitalen Interaktion die Gedanken der Menschen vergiften?

David Bowie hatte 1999, zum damals aufkommenden Internet befragt, offenbar eine vage Vorahnung: „I think we’re actually on the cusp of something exhilarating and terrifying.“ Hier ist das Video dazu. Er starb 2016. Zu gerne hätte ich seine Einschätzung zur heutigen Tech gehört.

Vielleicht ist die wahre Blackwall, die Grenze zwischen Mensch und Maschine, nicht technisch – sondern metaphysisch.

Hinweis: Artikel und Bilder wurden KI-gestützt erstellt und redaktionell von mir umfangreich bearbeitet. Bilder, soweit nicht anders angegeben, wurden mit einer KI erstellt.

Von Jan Piatkowski

Vater, Digitaler, Denker, liebt The Sisters Of Mercy, liebt Borussia Mönchengladbach, filmt, fotografiert. Strategic Designer im Rheinland. Heimbrauer NOR APA Craft Beer, Lokalpolitik für die CDU Neuss.

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AI: Die neue Welt der Inhalte in unserer Hand

Die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz erscheinen unendlich.

Was wäre, wenn Dein nächstes Kunstwerk Dir innerhalb von zwei Minuten gelingt und Dir in digitalen Marktplätzen mehrere tausend Euro einbringt? Was wäre, wenn ein einfaches Chat-Tool Deine Schreibblockade überwindet und Dir somit einen Journalistenpreis einbringt?

Alles von dem erscheint möglicher denn je. Ende 2022 wurden Dienste, die künstliche Intelligenz (oder AI, „Artificial Intelligence“) zur Erstellung von Content nutzen, der breiten Öffentlichkeit bekannt. Speziell hierzulande sind ChatGPT zur Texterstellung und die App „Lensa“ (App Store / Play Store), die mittels AI eigene Profilbilder erstellt, zu nennen. Etwas spezialisierter, aber umso mächtiger, ist Midjourney, das über einen Discord-Channel als Beta-Version zur Bilderstellung verwendet werden kann.

Beispiele für AI-erstellte Inhalte

Die Hürde zum Einstieg ist niedrig

Das Prinzip ist simpel: In allen hier genannten Diensten kann jeder mit natursprachlichen Eingaben (oder im Fall von „Lensa“ mit Bildern) die AI füttern und so relativ schnell Texte und Bilder erstellen. Mit jeder Eingabe lernt die AI dazu, was dazu führt, dass die Ergebnisse immer besser werden. Der Vorstellungskraft sind keine Grenzen gesetzt, wie etwa der folgende Tweet zeigt.

Berlin 2060, erdacht von Sven Weizenegger (Twitter).

So weit, so gut. Es hilft, sich einige Inspirationen für Texte und Bilder zu holen. Richtigerweise macht Jürgen Brautmeier den Einwurf, dass es keinesfalls das menschliche Denken und Urteilsvermögen ersetzen soll („Sapere aude!“ rief Immanuel Kant immerhin schon 1784 aus), und dass der Nutzung aus Risiken zugrunde liegen. Wie das im Extremfall aussehen kann, hat der Contentproduzent Kyle Vorbach aufgezeigt. Er nutzte die Stable Diffusion AI und trainierte diese, um mit Bildern seinen Freunden einen Monat lang einen Jobwechsel samt Umzug and die Westküste der USA und viele Erlebnisse währenddessen vorzugaukeln. (Schaut euch den Clip unbedingt an, sehr witzig erzählt!)

Vernetzte AI für mehr Relevanz in Werbung?

Spinnen wir das ein wenig weiter: Was wäre, wenn etwa digitale Werbeschaltung voll automatisiert und gleichermaßen hoch individuell zugeschnitten einem einzelnen Nutzer gezeigt wird, etwa in Instagram oder TikTok? Durch die Anmeldung und Nutzung liegen bereits Nutzer- und Verhaltensdaten vor, da „dankenswerterweise“ den AGB bei der Anmeldung zugestimmt wurde. Nehmen wir gerne noch einen Wetter-Vorhersagedienst wie den von IBM dazu, um wetterabhängige Produktplatzierungen zu ermöglichen — schließlich haben wir uns kürzlich in einer Story über das nasse Wetter beschwert, weswegen uns nun — einen Tap entfernt — die neue Outdoorjacke im Feed anlächelt. Es würde mich wundern, wenn es noch Zukunftsmusik wäre. Sicher arbeiten die ersten großen Marken schon längst daran.

Digitale Werbemittel und Konzepte sind schnell erstellt

Auch im Bereich des User Interfaces (UI, also Grafik- und Bedienkonzepte für Websites, Apps und vieles mehr) kann Midjourney eine Inspiration sein. In diesem Twitter-Thread zeigt Davis Taylor Brown, Product Designer bei Adobe, welche vielfältigen Designs die AI-Software jetzt schon erstellen kann und welche Prompts dabei geholfen haben. Natürlich ist da der Weg bis zu fertigen Interaktionskonzepten oder „nur“ Prototypen noch weit. Die Frage ist nur, wie weit es weg ist.

AI in Video und Metaverse

Video fehlt noch in diesem Mix der Erstellung mittels AI. Denn im europäischen Raum etwa müssen 24 Bilder in einer passenden Abfolge für eine Sekunde generiert und zusammengefügt werden — das macht 1.440 Bilder für einen 60sekündigen Clip. Das ist derzeit schon „per Hand“ möglich, wie dieses Video von Thoughtverse (YouTube Shorts, siehe Screenshot) zeigt: Die weitere (und ehrlich gesagt sehr dystopische) Vision der künstlichen Intelligenz zur weiteren Evolution des Homo Sapiens. Videoskripte dagegen sind jetzt schon ohne weiteres möglich (Link zu Twitter / Video).

Treiben wir es auf die Spitze, dann werden AI-generierte Inhalte unsere Mixed-Reality-Erlebnisse der Zukunft, etwa im Metaverse (zu dem ich Anfang 2022 einen Gastbeitrag auf Horizont veröffentlicht habe), auf eine gänzlich neue Ebene heben.

Risiken sind durchaus vorhanden

Risiken und Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen und müssen in der weiteren Entwicklung unbedingt beachtet werden. Denn davon gibt es reichlich.

Fehlerhaftes Training

Schon 2016 machte Microsoft etwa seine Versuche mit AI, in dem mit „Tay“ ein Twitter-Bot ins Leben gerufen wurde — und binnen eines Tages abgeschaltet wurde. Denn im Dialog mit anderen Twitterern lernte die AI, sich zunehmend rassistisch zu äußern. Selbst heute scheitert ChatGPT an Rechenaufgaben.

AI und Studium

Auch im akademischen Bereich gibt es Diskussionsbedarf, wie etwa hier auf Twitter. Können Studierende künftig so ihre Hausarbeiten und Referate schreiben? Wie sieht es mit Referenzen aus? Was bedeutet es für Leistungsanforderungen — werden Prüfungen in Präsenz nun wichtiger, um den Leistungsstand eines Studierenden adäquat erfassen zu können?

Ressourcenverbrauch

Worauf ich schon beim Thema „Metaverse“ hingewiesen habe und was weiterhin Hauptkritikpunkt bei der Erstellung von „Non-Fungible Tokens“ (NFT) ist: Der Ressourcenverbrauch. Für die reine Bilderstellung mittels Stable Diffusion und Dreambooth (GitHub) wird ein starker Rechner benötigt. Die Hauptlast trägt dabei eine Grafikkarte, die mindestens 8 Gigabyte, besser 12 Gigabyte Speicher mitbringen muss. Neben dem Kostenpunkt ab 400 Euro aufwärts (excl. dem übrigen System samt Speicherplatz) kann die Leistungsaufnahme im Spitzenbereich über 300 Watt betragen, was im rechenintensiven Dauerbetrieb nicht unbeachtet bleiben soll. Dazu rechnet der Twitterer und ehemalige Google-Mitarbeiter „Deedy“ vor, dass eine ChatGPT-Anfrage 3 US-Cent kostet, hochgerechnet auf etwa 1 bis 3 Millionen US$ pro Monat.

Die Zukunft der Arbeit

Das Thema „Digitalisierung und Automation“ begleitet uns eigentlich schon seit den 90er Jahren, als das Internet massenkompatibel wurde und neuere, bessere Technologien auf den Markt kamen — 3D-Druck sei als Beispiel genannt. Gerade in Deutschland wird, manchmal mit einem subtil-panischen Unterton, aufgelistet, welche Jobs demnächst der Axt zum Opfer fallen, etwa bei der WirtschaftsWoche. Vor diesem Hintergrund stellt der niederländische Historiker Rutger Bregman in seinem Buch „Utopien für Realisten“ (2017) wichtige Fragen. Etwa, was wir mit der Freizeit, die wir Dank weniger Arbeit (die nun die AI übernimmt, siehe die vorangegangenen Beispiele) nun haben, überhaupt machen wollen. Oder, viel wichtiger, was wir unseren Kindern beibringen wollen, damit sie in der Welt von morgen ihren Platz finden. Wenn wir versuchen zu erahnen, welche Fähigkeiten sie dafür benötigen (als Beispiel diene das World Economic Forum), würde dies laut Bergman nur dazu führen, dass wir beim Versuch, mit den Maschinen mitzuhalten, nur auf der Strecke bleiben können. Vielmehr wären laut Bregman Werte und Haltung wichtig, oder auch „Mindset“, wie man auf Neudeutsch sagt.

Mensch und Technologie als Risiko

Und, zu guter Letzt: Das Thema „Mensch und Technologie“. Brautmeier warnt zurecht, dass die gedankliche Leistung heute noch weiter das Maß aller Dinge ist. Allen digitalen Helfern zum Trotz ist es erforderlich, sich mit den erstellten Inhalten auseinanderzusetzen und auch seine kreative Persönlichkeit einzubringen. Denn sonst laufen wir Gefahr, dass auf kurz oder lang Text- und Bildwerke sehr einheitlich aussehen und sämtliche persönliche Merkmale, die entstehen, wenn wir kreativ sind, nicht mehr vorhanden sind. Überspitzt auf eine künftige Mixed Reality würden wir alle zwar in einer individualisierten, aber doch irgendwie nach Einheitsbrei aussehenden Welt wandeln. Speziell dann, wenn bewusst mißbräuchlich trainierte AI uns nach und nach in eine dystopische, xenophobe Realität zieht. Das kann niemand wollen.

Übrigens: Das Titelbild ist bei Midjourney (v4) entstanden. Ich wollte eine Frau darstellen, die in der Stadt Köln der Zukunft vor einem futuristischem Gebäude sitzt und mittels einer Mixed-Reality-Brille mit ihrem Mann spricht. Recht gelungen, finde ich, auch wenn das theoretisch jede Großstadt sein könnte 😉 Der Prompt dazu war:

/imagine dystopia, woman wearing augmented reality glasses, futuristic, Cologne, resident, digital billboards, woman viewing hologram of husband, augmented reality, apartment building, smart home features, automated lighting, temperature control, personal transportation device, hoverbike, self-driving car, futuristic building in background, rooftop garden, beggar sitting in front of building, ultra realistic, 4k resolution, --v 4 --ar 3:2

Von Jan Piatkowski

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#designthinking #digital

Workshops im Remote-Modus

Gerade wir Design Thinker werden in diesen Zeiten besonders gefordert: Nicht nur, dass wir unsere Techniken für unsere Klienten einsetzen, um gute Lösungen zu entwickeln — nein, auch in der Planung und Durchführung von Workshops ist Kreativität gefragt. Was wir im Team in den letzten Wochen bei Workshops und UX-Labs gelernt haben, möchte ich mit euch teilen.

Tools und Vorbereitung

Dass Workshops lange vor dem eigentlichen Termin beginnen, in dem wir thematische Vorbereitungen starten, ist nichts neues. Wir haben festgestellt, dass es hilft, entsprechende digitale Boards im Vorfeld passend zu den gewählten Methoden anzulegen — das spart Zeit. Tools wie Miro (kostenloses Einstiegspaket; kostenpflichtige Alternative: Mural) kommen zudem mit vielen Vorlagen, etwa zu Customer Journeys oder Business Model Canvas. Oder man legt selbst Hand an und stellt sich seine eigene Struktur zusammen. Besonders toll dabei: Per Mobile App können Notizen von einem analogen Whiteboard abfotografiert und dem Board hinzugefügt werden.

Es empfiehlt sich zudem, mindestens zwei Rechner am Start zu haben: Einer für den Facilitator, der das Workshop-Board zusätzlich zur Moderation administriert, und ein Rechner für die Steuerung des Videostreams. Da zoom.us zuletzt aufgrund der Datenschutz-Kritik am Dienst gearbeitet hat, blieben wir weiterhin dabei. In unserem Setup hatten wir zudem eine separate Webcam mit Mikro und Lautsprecher im Einsatz, was die Bildqualität für die Teilnehmer auf der anderen Seite verbessert hat. Hier kommen die festen Regeln aus dem TV- und Livestream-Bereich zu tragen: Gutes Bild und guter Ton sind entscheidend. Wenn machbar, sollte mit den Teilnehmern die Übertragung vorher getestet werden.

Moderation: Eine besondere Herausforderung

Eine weitere Erkenntnis, die im Vorfeld schon offensichtlich ist: Einen Ganztags-Workshop in einem Stück Remote durchzuziehen, ist Wahnsinn. Wir haben die Erfahrung gemacht, a.) den Tag auf maximal 5 Stunden (inkl. einer Stunde Mittagspause) zu beschränken, und b.) spätestens am Ende einer Stunde 5-10 Minuten Pause einzustreuen. Es hat schon seinen Grund, warum Webinar-Einheiten recht komprimiert daherkommen 😉 Entsprechend muss die Agenda strukturiert sein. Klare Themenblöcke werden nicht nur mit Zeiten, sondern mit Slots für Pausen ergänzt.

Was spontan zu Schwierigkeiten während des Workshops führen kann, sind Übertragungsprobleme. Das äußert sich darin, dass Bilder verzerrt ankommen oder das gesprochene Wort zuweilen schwer verständlich ist. Hier gilt: Direkt nachfragen, ob etwas richtig verstanden wurde. Hilfreich ist auch, anhand des digitalen Boards am Ende eines Themenabschnitts die Outcomes gemeinsam durchzugehen, das verschafft Sicherheit. Da Miro und andere Tools den Export des Boards als PDF, SVG, PNG etc. erlaubt, können zusätzlich Bilder im Chat an die Teilnehmer verteilt werden.

Tipps für Remote-Workshops

Digitale Boards vorbereiten

Technik vorher testen

Agenda: Pausen einplanen

Akustisch nichts verstanden? Nachhaken!

Themenblöcke mit direktem Review abschließen

Ein paar Einschränkungen bleiben. Gerade der so wichtige Punkt, Reaktionen und Körpersprache der Teilnehmer zu erfassen, ist Remote fast unmöglich. Sprecht dennoch offen an, wenn ihr das Gefühl habt, dass die Stimmung besser sein könnte. Und: Teilnehmer, die mit co-kreativen Workshops noch keine Erfahrungen hatten bzw. diesen reserviert gegenüber stehen, sind in einem „Workshop light“ als durch digitale Boards gestützte und moderierte Webcam-Diskussionsrunde wahrscheinlich besser abgeholt.

Wie immer gibt es im Netz, gerade bei medium.com, viele weitere Tipps, damit Workshops gelingen:

  1. UX Collective: Remote design thinking workshops
  2. Appnroll Publication: Running remote UX workshops
  3. Josh Seiden / Jeff Gothelf: 7 Tips for Great Online Workshops

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare 🙂

Danke an Rüdiger und Jonas für’s Groovy-sein im Workshop 🙂

Von Jan Piatkowski

Vater, Digitaler, Denker, liebt The Sisters Of Mercy, liebt Borussia Mönchengladbach, filmt, fotografiert. Strategic Designer im Rheinland. Heimbrauer NOR APA Craft Beer, Lokalpolitik für die CDU Neuss.

Eine Antwort auf „Workshops im Remote-Modus“

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